Knirschschiene

– Anwendung, Kosten und optimale Pflege

So manche Situation nehmen wir im wahrsten Sinne des Wortes nur zähneknirschend hin. Was bei den meisten Menschen nur im übertragenen Sinne gemeint ist, ist für einen nennenswerten Teil der Bevölkerung ein handfestes Problem. Das Zähneknirschen (med. Bruxismus) führt langfristig zu einer enormen Abnutzung der Zahnsubstanz sowie diversen anderen Beschwerden bis hin zu Rückenschmerzen.

Eine Knirschschiene ist eine erprobte und erfolgversprechende Behandlungsmethode. Aber wann wird es Zeit für eine Schiene? Welche Unterschiede gibt es? Wer trägt die Kosten? Und wie pflege ich eine Knirschschiene optimal? Diese und viele weitere Fragen möchten wir im Folgenden beantworten.

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04.03.2022

Zähneknirschen – Ein weit verbreitetes Problem

Die Kiefermuskulatur ist die stärkste Muskelgruppe im gesamten Körper. Beim Zähneknirschen pressen diese Muskeln die Zähne fest aufeinander. Pro Quadratzentimeter können hier Kräfte von bis zu 450 Kilogramm wirken. Dass der Zahnschmelz dieser Belastung dauerhaft nur wenig entgegenzusetzen hat, liegt auf der Hand.

Häufig sind Stress und seelische Belastungen die Ursache für das meist nächtliche Knirschen. Aber auch der unbewusste Versuch, im Schlaf Störstellen durch das Aufeinanderreiben der Zahnflächen zu beseitigen, kann der Hintergrund für das Knirschen sein. Schätzungsweise leiden etwa acht Prozent der Bevölkerung unter mehr oder minder stark ausgeprägtem Zähneknirschen.

Zahlenquelle

Am häufigsten betroffen ist dabei die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen mit rund zwölf Prozent aller Menschen in diesem Alter. Dahinter folgt die Gruppe der 40- bis 49-Jährigen mit gut zehn Prozent. Der Zusammenhang mit Stress im familiären und beruflichen Umfeld liegt daher nahe. Aber wann ist eine Knirschschiene notwendig?

Wann benötige ich eine Knirschschiene?

Ob eine Knirschschiene sinnvoll ist, hängt von der Ursache ab. Diese sollte zunächst von einem Zahnarzt ergründet werden. Liegt etwa eine Störung des Bisses durch Fehlstellungen oder Ähnliches vor, lässt sich dies relativ schnell beheben.

Neigen Sie dagegen etwa durch psychische oder seelische Ursachen zu dauerhaftem Knirschen, ist eine Knirschschiene dringend zu empfehlen. Nur so kann der Zahnschmelz vor weiterem Abrieb geschützt werden. Dies beugt Problematiken wie schmerzempfindlichen Zähnen, Kiefergelenksbeschwerden und der sogenannten kraniomandibulären Dysfunktion (CMD) vor.

Merke: Bei Verdacht auf Zähneknirschen ist ein Besuch bei Ihrer Zahnärztin bzw. Ihrem Zahnarzt dringend zu empfehlen. Ein eindeutiger Hinweis sind deutliche Abnutzungsspuren auf den Kauflächen.

 

Funktion und Wirkungsweise der Knirschschiene

Wer zum Zähneknirschen neigt, tut dies in der Regel nicht tagsüber. Zudem wäre es somit möglich, das Knirschen bewusst abzustellen. Aus diesem Grund kommt die Schiene in der Nacht zum Einsatz, wenn keine willentliche Steuerung der Kieferaktivität möglich ist. Bei der Knirschschiene handelt es sich um eine sogenannte Aufbissschiene aus weichem oder hartem Kunststoff.

Als solche wird die Schiene entweder am Oberkiefer, häufiger aber am Unterkiefer getragen. Die eingesetzte Schiene reguliert den Kontakt zwischen den Zähnen des Ober- und Unterkiefers bzw. verhindert diesen. Durch die Regulation der sogenannten Okklusion soll der Reiz zum unbewussten Zähneknirschen minimiert werden. Langfristiges Ziel der Therapie mit einer Knirschschiene ist es, die bereits im Unterbewusstsein verankerten und automatisierten Bewegungsmuster des Knirschens zu durchbrechen.

Durch die Therapie soll das Zähneknirschen so auch künftig ohne den Einsatz einer Schiene verschwinden. Während das langfristige Ziel die Beseitigung des Knirschautomatismus ist, zielt die Wirkungsweise zunächst auf die Schonung und Entlastung des Kauapparats ab. Dabei bewirkt der Einsatz der Schiene unter anderem:

  • Minimierung bzw. Unterbindung des Reizes zum Knirschen durch spezielle Oberflächenbeschichtung und Materialeigenschaften.
  • Bewahrt den Zahnschmelz vor weiterem (unwiederbringlichen) Abbau der Zahnsubstanz.
  • Verhindert zunehmend schmerzempfindliche Zähne.
  • Entlastet die Kiefermuskulatur, was Verspannungen im Kiefer- und Schädelbereich sowie Kopfschmerzen vorbeugt.
  • Bietet Entlastung für das Kiefergelenk und ist damit eine wertvolle Prophylaxe gegen kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD).
  • Hilft beim Aufheben unbewusster Bewegungsmuster des Kiefers.
  • Eine Knirschschiene bietet einen zuverlässigen Schutzschild auf den Zähnen, falls das Knirschen durch den Einsatz der Schiene nicht vollständig unterbunden werden kann.

Adjustierte vs. nicht-adjustierte Schiene – Wo liegen die Unterschiede?

Knirschschienen bestehen aus Kunststoffmaterial. Dabei wird zwischen weichem Kunststoff und hartem Kunststoff unterschieden, wobei sich der Materialunterschied vor allem beim Tragegefühl bemerkbar macht. Während Schienen aus hartem Kunststoff als haltbarer gelten, bevorzugen die meisten Patient:innen Knirschschienen aus weichem Kunststoff, da diese sich gummiartig anfühlen und weniger Druck auf die Zähne ausüben.

Der zweite große Unterschied in den Bauformen besteht zwischen sogenannten adjustierten und nicht-adjustierten Knirschschienen. Bei den nicht-adjustierten Knirschschienen handelt es sich um einfache Modelle, deren Kunststoffüberzug den Zahnschmelz der Zahnkronen vor weiterer Abnutzung schützt. Diese nicht-adjustierten Schienen sind, wie es der Name bereits andeutet, nicht an das Gebiss der Trägerin bzw. des Trägers angepasst.

Die auch als Miniplastschiene bekannte Knirschschiene wird ausschließlich nachts getragen. Dem gegenüber stehen adjustierte Knirschschienen. Diese basieren auf einem Gebissabdruck und werden in einem Zahnlabor individuell gefertigt. Dank der enormen Passgenauigkeit, dem idealen Zahnrelief und eingearbeiteter Kerben sorgen adjustierte Schienen für eine optimale Ruhelage des Kiefers für maximale Entspannung.

 

So läuft die Behandlung mit einer Knirschschiene ab

Wer sich für eine professionelle Knirschschiene entscheidet, muss mit mehreren Terminen bei der Zahnärztin bzw. dem Zahnarzt rechnen. Allerdings sind diese weder schmerzhaft noch besonders langwierig.

  1. Zu Anfang der Behandlung erfolgt eine umfassende Anamnese des Zahnzustands sowie Ihrer Kiefergelenke. Hierzu zählt auch eine Befragung, die auf mögliche Ursachen des Zähneknirschens abzielt.
  1. Im zweiten Schritt wird ein Abdruck Ihrer Zähne genommen, um eine passgenaue Knirschschiene zu fertigen. Dies geschieht entweder über einen klassischen Abdruck mit einer Formmasse oder über einen digitalen Kiefer-Scan.
  1. Ist der Abdruck geformt, erfolgt die Herstellung der Knirschschiene in einem zahntechnischen Labor. Je nach Passform werden hier eine oder mehrere Schienen für die spätere Anpassung hergestellt.
  1. Während eines zweiten Termins bei Ihrer Zahnärztin bzw. Ihrem Zahnarzt wird die Knirschschiene schließlich eingesetzt und an das Gebiss angepasst.
  1. Auch wenn die eigentliche Behandlung mit dem Einpassen abgeschlossen ist, ist eine regelmäßige Kontrolle notwendig, um den optimalen Sitz zu garantieren.

Knirschschiene – Kosten und Kostenübernahme

Die Kosten für die Herstellung einer Knirschschiene hängen vom Aufwand für die Fertigung sowie von der Form ab. Die Kosten für eine Aufbissschiene reichen von etwa 100 Euro für eine Basisschiene bis hin zu ca. 800 Euro bei komplexen vorangegangenen Analysen und einer hochpräzisen Maßanfertigung. In der Regel übernimmt die Krankenkasse bei gesetzlich Versicherten die Kosten für eine Knirschschiene.

Das betrifft allerdings nur die Kosten für die Schiene selbst. Viele diagnostische Schritte wie die Gnathologie oder Fertigungsverfahren (zum Beispiel per 3D-Druck) werden jedoch nicht oder nur anteilig von der Kasse übernommen. Komplizierte und zeitaufwendige Diagnoseverfahren können allerdings dann kostentechnisch übernommen werden, wenn die Anpassung einer speziellen Knirschschiene etwa für eine CMD-Therapie erforderlich ist.

Wir raten Ihnen daher unbedingt dazu, die Kostenübernahme vor dem Beginn der Behandlung zu klären. Eine gute Zahnzusatzversicherung dagegen verspricht eine deutlich erweiterte Kostenübernahme auch beim Thema Knirschschiene. Informieren Sie sich jetzt über die Zahnzusatztarife von MAXCARE und sichern Sie sich optimale Leistungen für ein strahlendes Lächeln und gesunde Zähne.

 

Wie lange hält eine Knirschschiene?

Die Haltbarkeit der Knirschschiene hängt von ihrer Belastung im Alltag ab. Während Knirschschienen meist nur nachts getragen werden, kann in Einzelfällen das Tragen auch 24 Stunden am Tag empfohlen werden – sogar beim Essen. Während eine Knirschschiene bei besonders starken „Knirschern “ oder 24-Stunden-Nutzung nur etwa sechs Monate hält, können Knirschschienen mit geringer Beanspruchung durchaus vier bis fünf Jahre halten.

Knirschschiene richtig reinigen und pflegen – So geht’s

Die Knirschschiene hat über lange Zeit direkten Kontakt mit Ihren Zähnen und dem Zahnfleisch. Dementsprechend wichtig ist eine gewissenhafte Pflege, damit sich keine Erreger festsetzen, die zu Entzündungen und anderen Zahnerkrankungen wie Karies und Parodontose führen können. Nach jedem Tragen sollte die Knirschschiene morgens gut ausgespült und mit sanfter Zahnpasta gereinigt werden.

Tragen Sie Ihre Knirschschiene auch nachts, ist die zusätzliche Reinigung nach dem Essen sehr zu empfehlen. Alternativ legen Sie die Knirschschiene in Gebissreiniger ein und bürsten mit einer weichen Zahnbürste nach. Während die Knirschschiene nicht in Benutzung ist, sollte diese ebenso wie eine Zahnspange in einem luftdichten Behälter aufbewahrt werden.

 

 

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