Smart Home für Senioren

Clevere Technik für mehr Komfort im Alter

Viele von uns bekommen das Klischee des mit moderner Technik überforderten Seniors nicht aus dem Kopf. Dabei ist so mancher Senior, was Technik angeht, im Detail deutlich fitter als die Generation Z. Immerhin gehören viele von ihnen zur Gründergeneration von Internet und Co. in den 1980er-Jahren. Wenig verwunderlich, dass auch das Thema Smart Home für Senioren immer wichtiger wird.

Dementsprechend möchten wir im Rahmen dieses Ratgebers einen Blick auf die Potenziale und Möglichkeiten von Smart Home für ältere Menschen werfen. Erfahren Sie, wie intelligente Technik das Leben im Alter erleichtert.

 

Bildquelle: Adobe Stock / Photographee.eu

 

12.05.2021

Was bedeutet Smart Home eigentlich?

Bevor wir zu den Möglichkeiten des Smart Homes kommen, sollten wir erst einmal enger fassen, worum es eigentlich geht. Das Smart Home ist untrennbar mit dem Begriff Internet of Things (engl. Internet der Dinge, kurz: IOT) verbunden. Grob gesagt handelt es sich um einen Verbund unterschiedlichster Geräte, die automatisierbar, programmierbar und über das Internet vernetzt steuerbar sind.

Das geschieht systemabhängig wahlweise mit Fernsteuerungen oder via Smartphone bzw. Tablet. Alle Fäden der einzelnen in einem Haus eingesetzten Geräte laufen dabei in einer zentralen Steuerungseinheit, dem sogenannten Hub, zusammen. Über diesen Knotenpunkt sind die „intelligenten“ Geräte mit dem Internet verbunden bzw. über Verbindungstechniken wie Bluetooth oder WLAN direkt steuerbar.

Typisch für Smart Home Systeme ist ein hohes Maß an Automatisierung durch einstellbare Routinen. Diese funktionieren nach dem Prinzip: „Wenn dies passiert, dann macht Gerät X das.“ Ein einfaches Beispiel ist die Zeitsteuerung für das Herunterlassen der Rollläden oder das Abschließen der Haustür via Smart Lock (intelligentem Türschloss).

Für wen eignet sich die Smart Home Technik?

Das Smart Home kennt keine spezielle Zielgruppe. Längst sind es nicht mehr nur technikaffine „Nerds“, die ihr Haus mit cleveren Spielereien ausstatten. Bei vielen Neubauten gehören etwa intelligente Licht-, Rollladen-, Sicherheits- und Heizsysteme bereits zum Standard. Über kurz oder lang werden Smart Home Systeme damit zur Basis-Ausstattung der meisten Häuser und Wohnungen gehören. Nichtsdestotrotz ist das Potenzial, das Smart Home Systeme für Senioren bieten, besonders groß.

Während Smart Home Systeme für junge Menschen (zum Großteil) ein „Nice-to-Have“ für einen bequemeren Alltag sind, sieht es bei Senioren anders aus. Hier erleichtern die Systeme den Alltag tatsächlich immens, sorgen für mehr Lebensqualität und geben den Menschen ein Stück ihres selbstbestimmten Lebens zurück. Einzige Voraussetzung für den sinnvollen Einsatz der Systeme ist im Übrigen ein Breitband-Internetanschluss.

Checkliste: Ist ein Smart Home System etwas für mich?

  • Sie haben ein erhöhtes persönliches Sicherheitsbedürfnis.
  • Ihr Grad der Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt.
  • Sie möchten im Alltag mehr Komfort genießen.
  • Es ist Ihnen wichtig, gleichzeitig Energie zu sparen.
  • Sie haben ein grundlegendes Vertrauen in Technik und keine Berührungsängste.
  • Sie haben Spaß daran, sich mit neuen Dingen zu beschäftigen.
  • Ihr Ziel ist es, möglichst lange selbstständig in Ihren eigenen vier Wänden zu leben.

Welche Möglichkeiten bietet ein Smart Home System?

Die Welt der Smart Home Systeme ist bereits jetzt groß und wächst jeden Tag. Sie ist zu groß, um an dieser Stelle alle Möglichkeiten, Geräte und Systeme im Detail zu beleuchten. Das ist aber auch gar nicht der Anspruch dieses Ratgebers. Vielmehr möchten wir kurz die verschiedenen Optionen des Smart Homes skizzieren und welchen Nutzen genau diese Systeme für den Senior des 21. Jahrhunderts haben.

  • Rauch- und Gasmelder: Viele ältere Menschen leben mittlerweile allein. Klassische Rauch- und Gasmelder bieten zwar eine gewisse Sicherheit, haben jedoch ein Problem. In der Regel schlagen sie nur dort an, wo etwa Rauch entsteht. Andere Melder (zum Beispiel im Schlafzimmer) bleiben still.
    Da es bei Feuer und Gasaustritt auf jede Sekunde ankommt, sind vernetzte Gas- und Rauchmelder gerade für Senioren ein großes Plus an Sicherheit. Smarte Gas- und Rauchmelder sind miteinander vernetzt. Schlägt also ein Melder wegen eines vergessenen Topfs auf dem Herd Alarm, werden gleichzeitig auch alle anderen Melder in der Wohnung aktiviert.
  • Hausnotruf-Systeme: Im Falle eines Sturzes oder anderweitigen medizinischen Notfalls ist es gut, wenn sich Senioren möglichst einfach bemerkbar machen können. Auch der klassische Hausnotruf gehört dazu. Mittlerweile lassen sich die Notrufknöpfe wahlweise als Armband tragen oder sogar in Schmuckstücke einarbeiten. Smarte Notruf-Systeme gehen sogar noch weiter, denn sie funktionieren beispielsweise durch die Kombination aus Sendeknopf und Smartphone und damit auch im Garten oder unterwegs.
  • Saug- und Mähroboter: Die Arbeit in Haus und Wohnung ist meist das Erste, was Senioren zunehmend schwerfällt. Der Verlust der Fähigkeit, den Rasen zu mähen oder mehrmals pro Woche Staub zu saugen, führt bei zahlreichen älteren Menschen zu der Entscheidung, das eigene Zuhause zu verlassen. Moderne Smart Home Systeme kommen mit intelligenten Saug- und Rasenmährobotern daher. Diese lassen sich einfach programmieren und erledigen die Garten- und Hausarbeit von ganz allein.
  • Rollladensteuerung: Eine automatisierte und nach Zeit gesteuerte Rollladensteuerung ist nicht nur praktisch. Sie sorgt auch für ein Plus an Sicherheit, falls Sie einmal nicht zuhause sind. Durch die Programmierung lässt sich problemlos die Anwesenheit im Haus simulieren.
    Damit aber noch nicht genug, denn durch das regelmäßige automatisierte Herunterlassen der Rollläden, lässt sich speziell im Winter der Wärmeverlust über die Fensterflächen begrenzen. Automatisierte Steuerungen gibt es aber nicht nur für Rollläden, sondern auch für Markisen. Neben der automatischen Steuerung ist natürlich auch die manuelle Steuerung direkt per Smartphone möglich.
  • Heizungssteuerung: Energiesparen ist nicht nur eine Frage der Einstellung gegenüber dem Klima, sondern auch gegenüber dem Geldbeutel. Eine intelligente Heizungssteuerung gehört daher bei vielen Smart Home Systemen zu den Basismodulen.
    Auch hier lassen sich automatisierte Temperaturprofile anlegen, die etwa die Temperatur in verschiedenen Räumen automatisch steigern, die Heizung bei längerer Abwesenheit automatisch auf ein Minimum herunterregulieren oder diese sogar automatisch abschalten, wenn die Fenster zum Lüften geöffnet sind. Für letzteres bieten sich intelligente Fenstersensoren an, die ebenfalls ein wichtiger Bestandteil von smarten Sicherheitslösungen sind.
  • Einbruchsicherungen und Alarmanlagen: Viele ältere Menschen haben Angst, Opfer eines Einbruchs, Überfalls oder Betrugs zu werden. Smart Home Lösungen warten auch hier mit intelligenten Systemen auf. Ein wichtiger Bestandteil sind vernetzte Türklingeln bzw. Türspione. Diese sind mit einer Kamera und Gegensprecheinrichtung ausgerüstet. Das Ton- und Bildsignal wird hier direkt auf das Smartphone umgeleitet, sodass Sie sogar dann mit einer Person vor der Tür sprechen können, wenn Sie nicht zuhause sind.
    Hinzu kommen Fenster- und Glasbruchsensoren, die einen Alarm auf Ihr Smartphone senden. Besonders praktisch: Wird ein Alarm ausgelöst, lassen sich smarte Sicherheitssysteme beispielsweise so steuern, dass im ganzen Haus das Licht angeht und dröhnend laute Musik eingeschaltet wird, um den Langfinger in die Flucht zu schlagen. Ebenfalls in den Sicherheitsbereich gehören intelligente Türschlösser. Diese lassen sich programmieren, sodass sie beispielsweise um 22 Uhr die Haustür verriegeln.
  • Intelligente Steckdosen: Mit einer Fernbedienung für den Fernseher steuern Sie Ihr TV-Gerät – soweit, so klar. Was aber wäre, wenn Sie auch für das Einschalten des Lichts, der Stereoanlage oder anderer Geräte sitzen bleiben könnten?
    Intelligente Steckdosen verfügen über eine technologische Schnittstelle, sodass sie über eine Smartphone-App oder sogar per Sprach-Assistent (beispielsweise Alexa, Siri, Google) bequem steuerbar sind. Besonders praktisch: Auf diesem Weg können Senioren ebenfalls kontrollieren, ob etwa das Bügeleisen beim Verlassen des Hauses ausgeschaltet ist. Ist es noch an, ist es per Fingerdruck auf dem Smartphone auch von unterwegs aus abschaltbar.
  • Fensterantriebe: Nun bewegen wir uns in der Oberklasse des Smart Homes. Passend zu automatisierbaren Rollläden und Jalousien bieten einige Hersteller auch Fenster mit eingebauten Motoren an. Das erleichtert nicht nur das Öffnen und Schließen schwer erreichbarer Fenster, sondern ermöglicht auch das Einrichten automatischer Lüftungs-Konzepte. Vom zusätzlichen Einbruchschutz einmal ganz abgesehen.
  • Lichtsteuerung via Bewegungsmelder: Licht im Haus bedeutet Sicherheit. Immerhin stürzen viele Senioren in der Nacht auf dem Weg zur Toilette oder in die Küche. Diverse Hersteller von Smart Home Systemen ermöglichen es, das Hauslicht in verschiedenen Räumen über Bewegungsmelder an- und abzuschalten. Gleichzeitig lässt sich die Lichtsteuerung auch zum Zweck der Anwesenheitssimulation bei längerer Abwesenheit einsetzen.
  • Weglaufschutz: Ein Weglaufschutz ist vor allem für pflegende Angehörige oder für Senioren interessant, die im Haushalt den dementen Partner pflegen. Diese Alarmsysteme informieren automatisch das gekoppelte Smartphone, wenn ein dementer Mensch beispielsweise die Wohnung verlassen möchte. Der Markt hält hier unterschiedliche Optionen wie Alarm-Türkontakte, Sensortrittmatten für die Haustür oder Bettkanten-Alarme bereit. Möglich ist auch die Kombination mit einem GPS-Tracker. Sollte eine demente Person einmal abgängig sein, lässt sich diese problemlos orten, um etwaigen Gesundheitsschäden vorzubeugen.
  • Sturzmelder: Stürze in Seniorenhaushalten gehören zu den häufigsten Meldebildern bei Feuerwehr und Rettungsdienst. Wenig verwunderlich, dass viele ältere Menschen Angst davor haben, im Alltag zu stürzen und lange hilflos am Boden zu liegen. Intelligente Sturzmelder und Falldetektoren erkennen, ob ein Sturzgeschehen vorliegt, und senden automatisch einen Notruf an den Pflegedienst oder eine Notrufzentrale. Diese Melder lassen sich häufig mit klassischen Hausnotrufsystemen kombinieren.
  • Smarte Matratzenauflagen: Das intelligente Zuhause hört nicht an der Bettkante auf. Intelligente Matratzenauflagen sind speziell für demente Senioren gedacht, die unter Inkontinenz leiden und so häufig nicht bemerken, wenn sie (vor allem nachts) im Nassen liegen. Feuchtigkeitssensoren senden ein Signal an den Pflegedienst, Pflegepersonal in Einrichtungen oder pflegende Angehörige. So können Senioren möglichst schnell aus dieser Lage befreit werden. Zudem lässt sich so das Risiko für einen Dekubitus (ugs. Wundliegen) senken.
  • Höhenverstellbare Toilette: Eins der größten Probleme von Senioren ist der Gang zur Toilette. Viele ältere Menschen haben sogar regelrecht Angst davor, sich auf die Toilette zu setzen. Sie haben Angst davor, zu stürzen oder nicht mehr aufstehen zu können. Gerade in Haushalten, in denen mehrere Personen leben, ist eine höhenverstellbare Toilette, die den Nutzer direkt erkennt, eine praktische Lösung. Durch das Hoch- und Herunterfahren unterstützt eine solche Toilette sowohl das sichere Hinsetzen als auch das Aufstehen.
  • Erinnerung an die Medikamenteneinnahme: Kommen wir von den großen technischen Smart Home Lösungen zu den kleinen Dingen. Kleine Dinge, wie die korrekte und zeitige Einnahme von Medikamenten, die aber umso wichtiger sind. Per Smartphone-App lassen sich ganz einfach Medikamentenpläne einpflegen, sodass der Nutzer an die zeitlich korrekte Einnahme seiner Tablette erinnert wird.
  • Und vieles mehr – Die Entwicklung geht weiter: Diese kurze Auflistung gibt einen Einblick in die Welt des Smart Homes und welcher Nutzen sich daraus speziell für Senioren ergibt. Die Möglichkeiten gehen jedoch noch viel weiter. Angefangen von der intelligenten Waschmaschine, über den programmierbaren Kaffeeautomat bis hin zum Kühlschrank, der automatisiert bestimmte Lebensmittel nachbestellt, ist vieles möglich. Und wer weiß schon, was in Zukunft noch alles kommen wird.

Attraktive Zuschüsse für Smart Home Technik

Lassen Sie uns nicht lange um den heißen Brei herumreden: Ein so hochtechnisiertes Konzept wie das Smart Home kostet eine gute Stange Geld. In Bestausstattung können es durchaus fünfstellige Summen sein. Sie müssen aber nicht gleich in den größtmöglichen Maßstäben denken, um zu testen, ob das Smart Home Konzept überhaupt etwas für Sie ist.

Sie können bereits mit einem Sprachassistenten (zum Beispiel Amazons Alexa), einigen smarten Steckdosen und Lichtschaltern, einer vernetzten Türklingel oder einem einfachen Saugroboter in diese faszinierende Welt eintauchen. Das ist kein Problem, denn die Systeme lassen sich Schritt für Schritt erweitern. Ganz gleich, welche Strategie Sie fahren möchten: Bei der Investition in Smart Home Technik sind Sie nicht allein. Hier winken sowohl Zuschüsse als auch steuerliche Erleichterungen:

  • Kranken- & Pflegekassen: Die Pflegekassen stellen bei einem vorliegenden Pflegegrad finanzielle Hilfe für Betroffene in Aussicht. Dazu zählt etwa ein Zuschuss in Höhe von bis zu 4.000 Euro für eine seniorengerechte bzw. barrierefreie Anpassung des Lebensraums. Gleichzeitig winkt ein Zuschuss für die Installation und die Betriebskosten eines Hausnotrufs.
  • Private Versicherungen: Speziell, wenn es um das Thema Sicherheit geht, belohnen die Versicherer ihre Kunden mit Nachlässen auf die Versicherungsprämie oder Bonuszahlungen, wenn diese in zusätzliche Sicherheitseinrichtungen investieren. Diese erhöhen die Sicherheit gegenüber Einbrüchen und reduzieren damit das Schadensrisiko für Hausratversicherungen und Co.
  • Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert mittlerweile nicht nur das energieeffiziente Bauen und Wohnen im Speziellen. Mittlerweile ebenfalls förderfähig ist die Anschaffung von Geräten und Umbaumaßnahmen, die dieses Ziel unterstützen. Darunter fallen im Bereich des Förderprogramms „Energieeffizientes Bauen und Sanieren“ auch smarte Heizsysteme. Ebenfalls förderfähig sind smarte Einbruchschutz-Maßnahmen und smarte Lösungen, die in der Wohnung für mehr Barrierefreiheit sorgen.
  • Finanzamt: Sogar der Fiskus unterstützt den Umbau des Eigenheims oder der Mietwohnung zum Smart Home durch Steuererleichterungen. Im Rahmen der in der jährlichen Steuererklärung absetzbaren Kosten für „haushaltsnahe Dienstleistungen“ zählen allerdings nur die Arbeitsstunden der beauftragten Handwerker. Die Unterstützung gibt es also nur, wenn Sie eine Fachfirma beauftragen.

Fazit: Kann ein Smart Home den Umzug ins Pflegeheim verhindern?

Wie Sie unserem Überblick entnehmen können, ist das Potenzial von Smart Home Systemen groß. Sie unterstützen im Alltag, sorgen für zusätzliche Sicherheit, nehmen Senioren anstrengende Aufgaben ab oder sorgen für einen reibungslosen Informationsfluss. Gerade in Notfällen und Gefahrensituationen könnte Smart Home Systeme viel Schaden abwenden. Unter dem Strich erleichtern Smart Home Systeme das eigenständige und selbstbestimmte Leben.

Damit können sie den Umzug in ein betreutes Wohnkonzept in vielen Fällen aufschieben und nicht selten sogar komplett überflüssig machen. So können Senioren unbeschwert in ihren eigenen vier Wänden alt werden und weiterhin selbstbestimmt (evtl. unterstützt durch einen Pflegedienst) leben. Eine dauerhafte Garantie gibt es jedoch auch mit einem Smart Home nicht.

 

 

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