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Trotz Einschränkungen mobil

Der große Gehhilfen-Ratgeber

Mit zunehmendem Alter nimmt die Mobilität bedingt durch Krankheiten oder degenerative Veränderungen ab. Damit müssen sich Senior:innen aber nicht abfinden, denn das Angebot an Gehhilfen ist riesig. Angefangen vom einfachen Gehstock über Rollatoren für drinnen und draußen bis hin zum Rollstuhl ist alles vertreten.

Im Angesicht dieser Vielfalt ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Immerhin ist nicht jede Gehhilfe für jedermann geeignet. Also, welche Vor- und Nachteile haben Rollatoren? Wann reicht ein Gehstock aus? Und worauf muss ich beim Kauf von Gehhilfen achten? Diese und viele weitere Fragen möchten wir in unserem großen Gehhilfen-Ratgeber beantworten.

Der große Gehhilfen-Ratgeber

Gehhilfen sind offiziell gelistete Hilfsmittel

Mobilität ist für Menschen ein hohes Gut. Nicht umsonst macht sie einen enormen Anteil der persönlich empfundenen Lebensqualität aus. Dementsprechend sind die Kranken- und Pflegekassen ebenfalls bestrebt, betroffenen Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad den Zugang zu einer adäquaten Gehhilfe durch finanzielle Unterstützung zu erleichtern.

Als solche sind zugelassene Gehhilfen im sogenannten Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgelistet. Die Gehhilfen, die nach ihrem Verwendungsort unterschieden werden, sind in der Produktgruppe 10 erfasst und wie folgt gegliedert:

Produktgruppe Anwendungsort Gehhilfen
PG 46 Innenräume Gehgestelle, Gehübungsgeräte, Rollatoren (Gehwagen)
PG 50 Innen-, Außenräume Gehstöcke, Achselstützen, Unterarmgehstützen, fahrbare Gehhilfen
PG 99 Kein spezieller Anwendungsort Sonstige Gehhilfen, Zubehör

Aber welche Gehhilfe ist nun für wen am besten geeignet und welche Vor- und Nachteile ergeben sich? Dazu möchten wir uns im Folgenden mit den Spezifitäten der einzelnen Kategorien beschäftigen. Beginnen wir mit den verschiedenen Arten von Gehstöcken.

Gehstöcke – Von zweckmäßig bis schick

Der Gehstock ist so ziemlich die älteste Gehhilfe der Menschheitsgeschichte. Schon aus der Antike und dem Mittelalter sind Bildnisse und Texte überliefert, welche die Verwendung von Gehstöcken belegen. Wahrscheinlich halfen einfache Stützstöcke schon den Senior:innen der Altsteinzeit über dauerhafte und zeitweise Bewegungseinschränkungen hinweg.

Senior:innen, denen das Gehen lediglich ein wenig schwer fällt, benötigen nicht gleich Rollatoren und Co. Ein einfacher Gehstock leistet hier bereits wertvolle Abhilfe, um beim Gehen den optimalen Schwerpunkt leichter zu halten. Erhältlich sind einfache Gehstöcke in etlichen Gestaltungsvarianten, angefangen vom simplen Holzstock über schicke Modelle mit silbernen Applikationen und Faltstöcke bis hin zu ergonomischen Modellen. Letztere sind die in Deutschland mit Abstand am häufigsten verkaufte Gehstockvariante:

Zahlenquelle

Einfache Gehstöcke sind vergleichsweise günstig, haben jedoch ihre Schwächen auf glatten und unsicheren Untergründen. Darüber hinaus können sie leicht zur Stolperfalle werden. Eine Alternative für mehr Sicherheit sind Gehstöcke mit drei oder gar vier Aufsetzpunkten. Diese Gehstöcke sind unter dem Namen Mehrfußgehhilfe erhältlich.

Unterarmgehstützen – Die temporäre Lösung

Die klassische Krücke oder auch „Unterarmgehstütze“ gehört ebenfalls zum Katalog der Gehhilfen. Die Unterarmgehstütze besteht aus einem Schaft und einer Stütze, welche bis zum Unterarm verläuft. Die medizinisch geformten Gehhilfen sollen die Hände, Ellenbogen sowie die Handgelenke entlasten.

Gleichzeitig sorgt der Laufgummi an der Unterseite für Rutschsicherheit auch auf glatten Untergründen. Darüber hinaus sind sie in verschiedensten Varianten und Qualitätsstufen erhältlich. Das gilt nicht nur für ergonomische Gehstützen, sondern auch für Produkte, die für Links- und Rechtshänder angepasst sind. Einige Modelle sind zudem auf ein geringes Packmaß zusammenfaltbar.

Allerdings führt die dauerhafte Verwendung von Unterarmgehstützen zu einer enorm hohen Beanspruchung der Muskulatur, was die Anwendung im Alltag anstrengend macht. Zudem kann sich durch die Dauernutzung das natürliche Gangbild verändern. Unter dem Strich bieten sich Unterarmgehstützen als Übergangslösung für die Zeit nach einem Krankenhausaufenthalt an. Für die dauerhafte Nutzung im Alltag ist die Unterarmgehstütze nicht geeignet.

Sonderfall – Achsel-Gehstütze

Früher war die Achsel-Gehstütze als „Krücke“ bekannt. Heute kommen diese Gehhilfen nur noch selten zum Einsatz. Wie der Name es bereits sagt, erfolgt die Abstützung hier unter der Achsel sowie über eine Schiene, auf welcher der Unterarm abgelegt wird. Letzteres schont die Hände. Allerdings will das Gehen mit der Achselgehstütze gelernt sein. Ist der Druck auf die Achsel dauerhaft zu hoch, kann es durch den Druck in der Achselregion zu Nervenschädigungen kommen.

Idealerweise klemmen Sie die Gehstütze zwischen Brustkorb und Oberkörper ein. So wirkt nicht die gesamte Kraft auf die Achsel. Infrage kommen Achsel-Gehstützen in erster Linie für Personen mit Schmerzen in den Handgelenken oder Ellenbogen. Ob hier eine entsprechende ergonomische Unterarmgehstütze nicht doch die bessere Variante ist, sollten Betroffene mit ihren behandelnden Ärzt:innen abklären.

Gehgestelle – Die Alternative zum Rollator für Innenräume

Reicht ein Gehstock im Alltag nicht mehr aus, bieten Gehgestelle einen sicheren Stand. Gehgestellte bestehen aus einem stabilen Rahmen mit vier Füßen sowie gleich mehreren Optionen zum Festhalten. Solche Geräte sind für den Einsatz in Innenräumen konzipiert, wobei sich das Einsatzspektrum von der Dauernutzung bis hin zum Wiedererlenen von sicherem Gehen und Stehen etwa nach einem Schlaganfall erstreckt.

Gehgestelle sind besonders sicher. Das liegt nicht nur an der Stabilität des Rahmens und den vier Füßen, die ein Umkippen nahezu unmöglich machen. Zusätzlichen Halt auf rutschigen Böden versprechen rutschfeste Gummikappen. Allerdings sind Gehgestelle wenig ergonomisch und nicht für jedermann geeignet. Immerhin muss das Gestell bei jedem einzelnen Schritt angehoben und um die Schrittlänge nach vorne versetzt werden. Deutlich ergonomischer und komfortabler sind Rollatoren.

Rollatoren – Die Klassiker für jede Lebenslage

Auch wenn die Krankenkassen die Gehhilfe offiziell als „Gehwagen“ führen, ist der Begriff Rollator deutlich gebräuchlicher. Für viele ältere Menschen aber auch für jüngere Menschen mit einer Gehbehinderung ist der Rollator das Mittel der Wahl. Hier wird zwischen der herkömmlichen Bauweise mit vier Rädern und dem sogenannten „Deltarad“ mit drei Rädern unterschieden.

Da letztere kaum eine Rolle spielen, wollen wir uns auf den konventionellen Rollator konzentrieren. Rollatoren lassen sich problemlos sowohl drinnen als auch draußen nutzen, sodass keine weiteren Gehhilfen angeschafft werden müssen. Durch Sitzbretter, Körbe und anderes Zubehör erweisen sich die Geräte im Alltag (zum Beispiel beim Einkaufen oder dem Warten auf den Bus) als besonders praktisch. Dank der verbauten Lenkrollen sind die Rollatoren in jeder Situation leichtgängig.

Viele Modelle verfügen zudem über Bremsen, was die Sicherheit nochmals erhöht. Die Geräte, die sowohl beim Aufstehen als auch beim Laufen unterstützen, sind auch ideal für längere Wege. Allerdings ist für das Beherrschen des Rollators im Alltag etwas Übung erforderlich. Sanitätshäuser und Krankenkassen bieten daher regelmäßig Rollator-Kurse für Interessierte an.

Welche Gehhilfe ist die richtige? – Vor- und Nachteil auf einen Blick

Gehhilfe Vorteile Nachteile
Gehstock Große Auswahl für jeden Geschmack Auf Wunsch stilvolles Design Klappbar und als Teleskop-Stock erhältlich Dreipunkt-Gehstöcke sind besonders sicher Schnelle Verfügbarkeit im Fachhandel Ideal für zweitweisen Gebrauch im Alltag x Kann zur gefährlichen Stolperfalle werden x Kein Halt auf glatten Böden x Einseitige Belastung des Körpers x Kann dauerhaft das Koordinationsvermögen schwächen
Unterarmstützen Gute Verfügbarkeit Entlastung des Handgelenks Rutschsicherheit auf glatten Böden Verschiedene Ausführungen für Links- und Rechtshänder Medizinische Übergangslösung, zum Beispiel zur Reha x Kann dauerhaft das Koordinationsvermögen schwächen x Das Gangbild verändert sich langfristig x Hohe Beanspruchung der Muskulatur
Achsel-Gehstütze Entlastung von Handgelenk und Ellenbogen Schont die Hände Nutzbar bei Arthritis x Einseitige Belastung des Körpers x Mögliche Nervenschädigung durch falsche Anwendung
Gehgestell Hohes Maß an Stabilität Rutschfest auf glatten Böden Ideal zur Reha, beispielsweise in der Schlaganfall-Therapie x Hoher Platzbedarf x Sperrig x Muss bei jedem Schritt zunächst angehoben werden
Rollator In mehreren Varianten erhältlich Ideale Unterstützung beim ergonomischen Laufen Sicherheit durch Bremsen Zusatzausstattung wie Transportkörbe, Sitzflächen etc. Innen- und außen einsetzbar x Rollatoren sind in der Anschaffung teurer als andere Gehhilfen x Im Umgang mit dem Rollator ist Übung erforderlich

Ausblick: Rollstühle und Elektromobile

Rollstühle und Elektrorollstühle gehören nicht zu den klassischen Gehhilfen. Aus diesem Grund sind sie auch von den Krankenkassen nicht in der Übersicht der Hilfsmittel in der Kategorie Gehhilfen aufgeführt.

Mit zunehmender Bewegungseinschränkung werden Rollstühle aber zu einer immer wichtigeren Alternative bzw. Ergänzung für Menschen, die nicht mehr den ganzen Tag auf den Beinen stehen können. In unserem Guide zum Thema Rollstühle erfahren Sie mehr zu den unterschiedlichen Bauformen und worauf Sie bei der Anschaffung achten müssen.

Gehhilfe kaufen – Immer individuell beraten und anpassen lassen

Die Gehhilfe soll optimal im Alltag unterstützen. Das funktioniert aber nicht mit einem Einheitsprodukt von der Stange. Suchen Sie für den Kauf daher unbedingt den Fachhandel auf und lassen Sie sich dort individuell beraten. Darüber hinaus sollte jede Gehhilfe nach Möglichkeit an ihre Nutzerin bzw. ihren Nutzer anpassbar sein. Die optimale Anpassung kann mit Hilfe von Physiotherapeut:innen und Ergotherapeut:innen vorgenommen werden.

Die Griffhöhe ist dabei bei allen Gehhilfen so anzupassen, dass sich der Handgriff etwa in Höhe des Übergangs zum Oberschenkelkopf befindet. Dabei handelt es sich um die Stelle, an welcher der Oberschenkelknochen am deutlichsten spürbar ist. Auch die Griffe sollten an die anatomischen Eigenheiten der Hand angepasst werden.

Wer zahlt meine Gehhilfe?

Ist eine Gehhilfe für die Aufrechterhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität notwendig, wird diese in der Regel durch eine Ärztin oder einen Arzt verordnet. Liegt eine Verordnung vor, übernimmt die Krankenkasse meist die Kosten für eine Gehhilfe aus dem Hilfsmittelverzeichnis.

Aber Achtung: Wer mehr als den Standard möchte, zahlt die Differenz zum Basispreis der notwendigen Gehhilfe in der Regel selbst. Aufpreise sind etwa für besonders leichte, bequeme oder funktionale Modelle möglich. Ähnlich sieht es häufig bei Produkten aus, die nicht im Hilfsmittelkatalog aufgeführt sind.

In vielen Fällen können jedoch auch die Kosten für diese Gehhilfen von der Krankenkasse übernommen werden, wenn eine ärztliche Verordnung inklusive umfassender Begründung vorliegt. Ein intensives Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt kann sich also lohnen. Alternativ ist es auch möglich, Gehhilfen beispielsweise in Sanitätshäusern zu leihen. Letzteres lohnt sich aber nur, wenn Sie diese nur zeitweise benötigen.