Zahnspange bei Erwachsenen

Lohnt sich das?

 

In der Kindheit war es völlig normal, dass die halbe Klasse im Laufe der Jahre mit einer Zahnspange herumgelaufen ist. Kein Wunder, denn im Kindesalter ist es am einfachsten, Zahnfehlstellungen insbesondere der Frontzähne zu korrigieren. Trotzdem erfreuen sich Zahnspangen mittlerweile auch bei Erwachsenen immer größerer Beliebtheit.
Aber warum ist das so? Welche Möglichkeiten gibt es für die Zahnkorrektur? Was kostet die Behandlung für Erwachsene? Und was ist bei der Entscheidung pro oder contra Zahnspange unbedingt zu beachten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema Zahnspange im Erwachsenenalter.

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07.04.2021

Woher kommt der Trend zur Zahnspange bei Erwachsenen?

Grundsätzlich ist der Einsatz einer Zahnspange zur Zahnkorrektur in jedem Alter möglich. Dementsprechend haben Erwachsene auch in früheren Jahren und Jahrzehnten bereits zur Zahnspange gegriffen, um Zahnfehlstellungen zu korrigieren. Die Häufung der vergangenen Jahre ist jedoch ein neues Phänomen. Experten sehen hierfür gleich mehrere Gründe. An erster Stelle stehen medizinische Ursachen.
Immer wichtiger wird jedoch die Rolle, die ebenmäßige Frontzähne als Schönheitsideal im Rahmen der Selbstoptimierung spielen. Geht es nach der Zahnärztin Sabine Köhler, sind ebenmäßige Frontzähne mittlerweile fast so etwas wie ein gesellschaftliches Muss. „Der Druck zur Selbstoptimierung macht vor der Zahnreihe nicht halt. Medizinisch gesehen kann aber auch eine optisch nicht harmonische Zahnreihe von der Natur in ihrer Funktionalität sehr gut adaptiert sein“, so die Zahnärztin in einem Interview mit der „Apotheken Umschau“.

Gründe für eine Zahnspange im Erwachsenenalter

Eine Besonderheit beim Einsatz von Zahnspangen bei Erwachsenen ist, dass die Behandlung deutlich länger dauert als bei Kindern und Jugendlichen. Diese Dauer steigt mit zunehmendem Alter. Bei einer 30- oder 40-jährigen Person dauert die Behandlung etwa deutlich länger als bei einer Person mit Anfang 20. Ursächlich ist die Tatsache, dass die Zahnkorrektur mittels Spange im Erwachsenenalter nur noch durch die druckbedingte Anpassung des Kieferknochens funktioniert.
Warum aber tun sich viele Erwachsene das noch an? Die Verbesserung der Zahnästhetik und die damit verbundene Harmonisierung des Gesichts ist hier nur eine Begründung – wenn auch eine zunehmende. Abgesehen davon bestehen weitere medizinische Indikationen für den Einsatz der Zahnspange im Erwachsenenalter:

  • Krankhafte Verschiebung der Zähne (Zahnwanderung) infolge einer Zahnbettentzündung (Parodontitis)
  • Zahnwanderung durch mechanische Fehlbelastung der Zähne (zum Beispiel Zähneknirschen)
  • Nicht korrigierte Zahnfehlstellungen, die bereits seit der Kindheit bestehen
  • Vorzeitiger Zahnverlust, wobei benachbarte Zähne in die Lücken hinein kippen bzw. wachsen
  • Verschiebungen der Zähne infolge des Durchbruchs der Weisheitszähne
  • Unfallbedingte Fehlstellungen des Kiefers oder der Zähne

Behandlungsmöglichkeiten: Welche Optionen habe ich?

Die Behandlungsoptionen in Sachen Zahnspange sind bei Erwachsenen die gleichen, wie bei Kindern auch. Bei erwachsenen Personen kommt jedoch der Wunsch dazu, dass die eingesetzte Zahnspange möglichst unauffällig ist. Immerhin fällt die Behandlungsdauer deutlich länger aus. Und damit auch die „optische Beeinträchtigung“ im Alltag. Aber welche Zahnspangen stehen zur Verfügung?

  1. Herausnehmbare Zahnspange: Bei vielen Kindern ist eine Zahnspange, die bei Bedarf herausgenommen werden kann, die erste Wahl. Für Erwachsene ist die herausnehmbare Zahnspange aber nicht die beste Option. Diese Variante zieht die Behandlungsdauer im Zweifelsfall sehr lange hinaus. Auf Wunsch ist der Einsatz dennoch möglich. Sinnvoll kann eine herausnehmbare Zahnspange beispielsweise bei lediglich minimalen Zahnfehlstellungen sein.
  2. Festsitzende Zahnspange: Die feste Spange ist der Klassiker unter den Spangen und gilt auch bei Erwachsenen als zuverlässige Standardlösung. Der Vorteil liegt in den vergleichsweise geringen Kosten und der hohen Effizienz. Im Gegenzug bringt die klassische Metallzahnspange mit ihren deutlich sichtbaren Plättchen auf den Frontzähnen gerade im Berufsalltag deutliche optische Einschränkungen mit sich. Statt der metallischen Brackets bieten einige Behandler auch zahnfarbene Brackets an. Diese sind deutlich dezenter und fallen beim Sprechen und Lachen weniger auf.
  3. Incognito-Zahnspange: Eine wirkungsvolle Zahnspange, die gleichzeitig gute Ergebnisse liefert, wäre zu schön, um wahr zu sein. Mit der sogenannten Incognito-Zahnspange (auch: Lingualtechnik) ist das möglich. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine feste Zahnspange. Allerdings ist die Spange nicht wie bei der klassischen Zahnspange an der Außenseite der Zähne, sondern unauffällig an der Innenseite befestigt. Damit ist sie in den meisten Alltagssituationen von anderen Menschen kaum wahrnehmbar.
  4. Invisalign-Behandlung: Diese besondere Zahnspange kombiniert die Eigenschaften einer herausnehmbaren Zahnspange und der Incognito-Zahnspange. Die große Besonderheit der Invisalign-Behandlung ist, dass Patienten die sogenannten Aligner (Kunststoffschienen) selbst austauschen können. Die in der Regel transparenten Kunststoffschienen können zudem zur Zahnpflege, zum Essen sowie auch kurzzeitig zu anderen Zwecken herausgenommen werden.

Voraussetzungen für die Zahnkorrektur

Die Grundvoraussetzung für die Behandlung einer Zahnfehlstellung via Zahnspange ist für alle Erwachsenen mit einem gesunden Gebiss möglich. Dazu müssen die betroffenen Patienten über kariesfreie Zähne und einen entzündungsfreien Zahnhalteapparat verfügen. Auch bei einzelnen Vorerkrankungen ist die Zahnkorrektur in vielen Fällen möglich.
Der Behandlung geht hier jedoch eine umfassende Untersuchung sowie eine etwaige Behandlung durch den Zahnarzt bzw. Kieferorthopäden voraus. Zu den im Vorfeld unbedingt behandlungswürdigen Problematiken gehören Kiefergelenksprobleme, Parodontose sowie myofunktionale Störungen (zum Beipspiel Zungen- und Lippendysfunktion).

Was bei der Behandlung unbedingt zu beachten ist

Während der Einsatz einer Zahnspange bei Kindern in der Regel völlig problemlos ist, kommen bei Erwachsenen einige Sonderpunkte dazu, die den Behandlungserfolg maßgeblich beeinflussen. „Bei Rauchern besteht ein erhöhtes Risiko für Knochenabbau. Daher ist der Verzicht auf das Rauchen eine wesentliche Voraussetzung“, berichtet die Professorin Angelika Stellzig-Eisenhauer (Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie am Uniklinikum Würzburg) in einem Interview mit der Apotheken Umschau.

Speziell bei ehemaligen Rauchern sowie bei älteren Erwachsenen erfolgt die Zahnkorrektur mittels Zahnspange daher mit deutlich weniger Druck. So können die Zähne risikoarm und schonend bewegt werden. In einigen Fällen müssen benachbarte Zähne als Stützstruktur benutzt werden. Hier werden auftretende Kräfte im Knochen beispielsweise durch kleine Spezialschrauben abgefangen.


Info: Achtung mit der Behandlung ist nicht Schluss

Während der Behandlung werden die Zähne lediglich in Position gebracht. Sobald die Spange heraus ist, kann sich die Zahnstellung allerdings wieder verändern. Dementsprechend müssen in vielen Fällen Maßnahmen ergriffen werden, damit die Zähne in Position bleiben, bis sich der Kieferknochen final gefestigt hat. Dazu setzen Kieferorthopäden Drähte (Retainer) ein, die hinter die Zähne geklebt werden. In welchem Ausmaß Zähne den Drang haben, sich zu bewegen, lässt sich pauschal nicht vorhersagen. Wichtig ist hier eine genaue Beobachtung und Einschätzung durch den behandelnden Kieferorthopäden.


 

Zahnspange für Erwachsene: die Kosten

Kommen wir zum spannenden Thema, den Kosten einer Zahnspange für Erwachsene. Wie im medizinischen Bereich üblich, lassen sich die Kosten nicht pauschal bestimmen, da bei der Behandlung viele Faktoren zusammenkommen. Entscheidend ist neben der Art und Intensität der Fehlstellung auch die gewählte Art der Zahnspange.
Durchsichtige und herausnehmbare Kunststoffformen sind etwa deutlich günstiger als fest angebrachte Spangen. Besonders kostenintensiv sind unsichtbare Spangen (beispielsweise Lingualtechnik), die auf der Rückseite der Zähne angebracht sind. Grundsätzlich können Sie bei einer leichten Fehlstellung mit Kosten in Höhe von ca. 500 bis 1.000 Euro rechnen. Langwierige Behandlungen, wie sie etwa bei starken Fehlstellungen fällig sind, schlagen mit gut 3.000 bis 8.000 Euro zu Buche.

Was übernimmt die Krankenkasse?

Im Angesicht der hohen Kosten ist die Frage nach der Finanzierung gerechtfertigt. Während rein kieferorthopädische Behandlungen bei Kindern meist von der Krankenkasse getragen werden, ist das bei Erwachsenen nur in den seltensten Fällen so. Ursächlich ist, dass die meisten Korrekturen per Zahnspange lediglich aus ästhetischen Gründen erfolgen und keinen medizinischen Hintergrund haben.
Nur wenn eine medizinische Notwendigkeit den Einsatz einer Zahnspange rechtfertigt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Ein mögliches Beispiel ist ein nachweislich zu schmaler Kiefer. Um ausreichend Platz für die Zähne zu schaffen, kommt hier zunächst ein kieferchirurgischer Eingriff zum Tragen. Darauf folgt eine Zahnkorrektur durch eine Zahnspange.
In dieser Kombination ist eine Kostenübernahme möglich. Mit einer guten Zahnzusatzversicherung profitieren aber auch Erwachsene zumindest von einer teilweisen Kostenübernahme. Einige Tarife winken sogar mit einer vollständigen Kostenübernahme beim Einsatz einer Zahnspange für Erwachsene.

 

 

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