Zahnpflegekaugummi

- Sinnvoll oder nicht?

Die tägliche Zahnpflege ist unerlässlich, um die Zähne lange schön und gesund zu halten. Ganz ohne Arbeit funktioniert das natürlich nicht. Mehrfach täglich die Zähne putzen und Zahnseide verwenden, all das verursacht Aufwand und frisst Zeit. Wäre es da nicht schön, wenn es einfacher ginge? Tatsächlich geben sich die Marketing-Abteilungen diverser Hersteller große Mühe, Zahnpflegekaugummis als die bequeme Universallösung für dieses Problem zu präsentieren.

So manche Marketing-Strategie behauptet sogar, dass nach dem Essen das Kauen eines Zahnpflegekaugummis völlig ausreicht. Aber ist das nur eine Behauptung oder steckt dahinter ein Fünkchen Wahrheit? Wir haben in unserem Ratgeber alle wichtigen Antworten rund um den Sinn und Unsinn von Zahnpflegekaugummis.

Bildquelle: Adobe Stock / Anton

21.07.2021

So wirken Kaugummis zur Zahnpflege

Zahnpflegekaugummis wirken in erster Linie mechanisch. Bedingt durch das Kauen reibt der Kaugummi Speisereste und Zahnbelag Stück für Stück ab. Dank der Formbarkeit des Kaugummis erreicht das Hilfsmittel auch viele Zahnzwischenräume, in denen sich ansonsten gerne Speisereste festsetzen.

Zugegebenermaßen teilen sich Zahnpflegekaugummis diese Eigenschaft jedoch auch mit konventionellen Kaugummis. Das wahre Geheimnis der Zahnpflegekaugummis liegt in den enthaltenen Wirkstoffen, die die Zähne schützen sollen:

  • Silberionen: Bakterien, die sich von Speiseresten ernähren, sind die größte Gefahr für gesunde Zähne, denn durch Säurebildung schädigen sie den Zahnschmelz. Um genau diesem Problem durch das Kaugummikauen vorzubeugen, enthalten einige Zahnpflegekaugummis Silberionen. Diese wirken antibakteriell und sollen die schädlichen Erreger abtöten.

Allerdings steht der Einsatz dieser antibakteriellen Silberionen auch in der Kritik. Hintergrund ist die in der Wissenschaft umstrittene Ansicht, dass bei einer übermäßigen Verwendung Resistenzen bei den Bakterien entstehen können.

  • Fluorid: Ein weiterer verbreiteter Wirkstoff sind Fluorid und Kalzium-Phosphat. Beide Stoffe sind ebenfalls Bestandteil zahlreicher Standard-Zahnpasten. Studien belegen, dass die beiden Mineralien bei der Remineralisation der Zähne helfen. Somit sollen sich kleinste Schäden zumindest teilweise reparieren lassen.

Gerade im Vergleich zwischen fluoridhaltigen Zahncremes und Zahnpflegekaugummis besteht allerdings ein großes Problem: Durch das Kauen von Kaugummis werden deutlich geringere Mengen der Mineralien aufgenommen.

  • Xylit: Der dritte Wirkstoff, der sich in den meisten Zahnpflegekaugummis findet, ist Xylit. Dabei handelt es sich um einen Zuckerersatzstoff, der aber ähnlich süß ist. Der Stoff ist bereits seit 1891 bekannt und schon durch zahlreiche Studien erforscht.

Tatsächlich konnte man bereits in den 1970er-Jahren herausfinden, dass Xylit eine karieshemmende Wirkung hat. In einer Studie, in der Menschen Lebensmittel aßen, die mit Xylit statt Haushaltszucker gesüßt waren, reduzierte sich das Kariesrisiko um bis zu 85 Prozent.

Die Ursache ist einfach erklärt: Anders als Haushaltszucker kann Xylit von den schädlichen Bakterien nur schlecht verdaut werden. Das senkt deren Stoffwechselrate und kann bei entsprechender Xylit-Konzentration auch die Vermehrung bremsen. Allerdings enthalten die meisten Zahnpflegekaugummis für diesen Zweck zu wenig Xylit.

 


Vorsicht vor Xylit bei Haustieren

Allerdings bergen Zahnpflegekaugummis bzw. Kaugummis mit Xylit für Haustiere wie Hunde große Gesundheitsgefahren. Schon das Verschlucken eines einzigen Kaugummis kann zu schwersten Vergiftungserscheinungen führen, da die Tiere den Stoff nicht verstoffwechseln können.


 

Mikrogranulate in Zahnpflegekaugummis – Sinn oder Unsinn?

Um die Zähne zu schützen, ist das Entfernen von Zahnbelag (Plaque) unumgänglich. Zahnbürsten haben hier entscheidende Vorteile, denn mit ihnen lassen sich alle Zahnflächen komplett säubern. Offensichtlicherweise funktioniert ein Kaugummi anders. Durch die Kaubewegungen sind primär die Kauflächen und lediglich Teile der Seitenflächen der mechanischen Bewegung ausgesetzt.

Um den Zahnreinigungseffekt zu verbessern, fügen einige Hersteller ihren Zahnpflegekaugummis daher Mikrogranulate hinzu. Diese fungieren in der Praxis als Putzkörper. Allerdings bleibt auch hier das Problem, dass damit vorwiegend die Kauflächen von Zahnbelag befreit werden. Bei den Zahnseiten und den Zwischenräumen sieht dies anders aus. Mehrere Studien konnten dabei keinen nennenswerten Unterschied zwischen Kaugummis mit Mikrogranulaten und Produkten ohne Granulate feststellen.

Hinzu kommt ein weiteres mögliches Problem: Bei den Putzkörperchen handelt es sich um Fremdkörper, die bei jedem Kauen über den Zahnschmelz gerieben werden. Gerade bei exzessivem Kaugummikauen ist es daher nicht auszuschließen, dass der Zahnschmelz Schaden durch verfrühte Abnutzung nimmt.

Kaugummikauen regt den Speichelfluss an

Hätten Sie gewusst, dass der wohl wichtigste „Pflegeeffekt“ rein gar nichts mit Inhaltsstoffen wie Xylit oder womöglich enthaltenen Putzkörpern zu tun hat? Tatsächlich resultiert ein stark positiver Effekt des Kaugummikauens auf die Zahngesundheit aus der Anregung des Speichelflusses. Allein durch das ständige Kauen werden die Speicheldrüsen zur Bildung von Speichel angeregt.

Dieser Speichel übernimmt im Mundraum gerade nach dem Essen eine reinigende Funktion. Er spült dabei aber nicht nur die Mischung aus Speiseresten und Bakterien aus dem Mundraum. Darüber hinaus sorgt der Speichel für die Neutralisation der schädlichen Säuren im Mund.

Gleichzeitig beinhaltet der Speichel wichtige Mineralien, die dabei helfen, die Zähne Stück für Stück zu remineralisieren. Dieser positive Effekt der Speichelbildung tritt im Übrigen bei jedem Kaugummi auf. Ein spezielles Zahnpflegekaugummi braucht es dafür also nicht. Wichtig ist lediglich, dass es sich um einen zuckerfreien Kaugummi handelt.

Können Zahnpflegekaugummis auch Verfärbungen beseitigen?

Strahlend weiße Zähne sind mittlerweile so etwas wie ein Schönheitsideal geworden. Wen wundert es da, dass auch Hersteller von Zahnpflegekaugummis auf die Anziehungskraft des „Whitening-Effekts“ setzen? Ob nun durch bestimmte Inhaltsstoffe oder Putzgranulat – in der Regel lassen sich Verfärbungen mit einfachen Zahnpflegekaugummis nicht entfernen.

Verfärbter weicher Zahnbelag ist problemlos entfernbar. Dafür reicht aber auch die klassische Zahnbürste aus. Wenn es um hartnäckige Verfärbungen von Tee oder Kaffee geht, stoßen sowohl Zahnbürsten als auch Zahnpflegekaugummis schnell an ihre Grenzen. Einmal ganz davon abgesehen, dass die meisten Zähne von Natur aus nicht schneeweiß, sondern eher elfenbeinfarben sind.

Um ein strahlendes Lächeln zu erhalten, ist ein Besuch beim Zahnarzt unumgänglich. Hier bestehen mit der professionellen Zahnreinigung sowie Bleaching oder speziell angepassten Veneers gleich mehrere Möglichkeiten. Allerdings sind diese Verfahren zum Teil mit hohen Kosten verbunden. Einige dieser Kosten übernimmt jedoch eine private Zahnzusatzversicherung.

Im MAXCARE Exklusiv-Tarif etwa profitieren Sie von einer Prophylaxe-Pauschale in Höhe von 200 Euro, die Sie beispielsweise für eine professionelle Zahnreinigung einsetzen können. Das klingt attraktiv? Dann informieren Sie sich noch heute über unser Tarifangebot!

Können Zahnpflegekaugummis das Zähneputzen ersetzen?

Auf diese Frage gibt es eine klare Antwort: nein! Allein durch die Tatsache, dass ein Kaugummi vor allem die Kauflächen reinigt, ist es kein vollwertiger Ersatz für eine Zahnbürste. Nichtsdestotrotz können die Kaugummis einen wertvollen Beitrag zur Zahnpflege leisten, indem sie den gröbsten Zahnbelag samt Speiseresten direkt nach dem Essen entfernen. Es ist also in jedem Fall besser, nach dem Essen ein Zahnpflegekaugummi zu kauen, als gar nichts zu tun. Damit sind solche Kaugummis immerhin eine sinnvolle Ergänzung, sofern die Wahl die richtige ist.

Welche Zahnpflegekaugummis sind die besten?

Wenn schon Kaugummis zur Zahnpflege, dann sollten es auch gute Zahnpflegekaugummis sein, die eine messbare Schutzwirkung haben und den Zahnschmelz nicht zusätzlich belasten. Um diese Frage zu beantworten hat das Verbrauchermagazin Ökotest 35 Zahnpflegekaugummis unter die Lupe genommen. Ohne bestimmte Marken hervorheben zu wollen, ergaben sich daraus einige interessante Schlüsse.

Allem voran sollte ein Zahnpflegekaugummi zuckerfrei sein. Nur zuckerfreie Kaugummis sorgen für einen größtmöglichen Speichelfluss. Idealerweise kommt dabei der als kariesabwehrend bekannte Wirkstoff Xylit zum Einsatz. Andere Süßstoffe wie Aspartam sind dagegen nicht optimal.

Vor allem Aspartam steht in der Wissenschaft unter dem Verdacht, beispielsweise die Entwicklung von Übergewicht zu begünstigen. In Anbetracht der Tatsache, dass spezielle Zahnpflegekaugummis in der Regel deutlich teurer sind als „normale“ zuckerfreie Kaugummis ohne Aspartam, sind solche Produkte hinsichtlich des Preis-Leistungsverhältnisses die beste Wahl.

Auf einen Blick: Die wichtigsten Fakten zu Zahnpflegekaugummis

  • Zahnpflegekaugummis können das Zähneputzen nicht ersetzen. Sie eignen sich als Ergänzung zur täglichen Zahnpflege.
  • Verantwortlich für den schützenden Effekt ist vor allem der Zuckerersatzstoff Xylit, der nachweislich Karies vorbeugen kann.
  • Zahnpflegekaugummis mit Putzpartikeln entfernen lediglich den weichen Plaque, können im Gegenzug aber den Zahnschmelz angreifen.
  • Das in Zahnpflegekaugummis enthaltene Fluorid hilft dabei, die Zähne zu remineralisieren.
  • Das Kauen von Zahnpflegekaugummis reinigt in erster Linie die Kauflächen. Vor allem in den Zahnzwischenräumen bleibt dennoch Plaque zurück.
  • Durch die Verwendung von Pflegekaugummis lassen sich die Zähne nicht aufhellen. Dafür ist eine professionelle Zahnreinigung bzw. ein Bleaching notwendig.

 

 

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